
Der rote Van schlängelte sich gemächlich an den Schlaglöchern vorbei. Nur die Straßenbreite erinnerte daran, dass sie sich auf einer ehemaligen Autobahn befanden. Die Mittelstreifen waren schon lange verblasst und zwischen den Rissen im Asphalt konnte man immer wieder den Löwenzahn entdecken, der sich dort versuchte auszubreiten.
Aber sie fühlten sich privilegiert. Sie waren ja gerade noch rechtzeitig mit dem Ausbau des alten Transporters fertig geworden. Kurz bevor die Bomben fielen. Das war schon einige Jahre her . Es war nicht leicht, das Gefährt am Laufen zu halten. Ersatzteile gab es nur selten und so einige Schläuche im Motorraum bestanden fast nur noch aus Panzertape.
Aber in diesen Zeiten war dieses fahrende Zuhause ein echtes Asset. Es war ihr Zuhause. Nur mit ihm gelang es zu flüchten, als die Sirenen ertönten.
Sie nahmen die nächste Ausfahrt. Jetzt war es nicht mehr weit bis zum Ziel.
Nur wenige Augenblicke später kam der Van abrupt zum Stehen.
Vom Fahrerhaus konnte er direkt in die Augen des verängstigten Jungen blicken, der vor dem Van stand. Wie aus dem Nichts war dieser auf die Straße gelaufen. Er suchte den Blick zu ihr. Dann auf die Landschaft. Kein Zeichen von Zivilisation. Keine Häuser, nichts. Und doch stand dieser Junge hier, mitten auf der Straße.
Sie beschlossen, auszusteigen. “Bist du okay?“, fragte er besorgt. Keine Antwort. “Wo kommst du her?” Der Junge zeigte auf einen nicht näher definierten Punkt in der Ferne. Nur Felder waren dort zu sehen. Egal, dachte er.
Währenddessen reichte sie dem Jungen ein Stück Brot. Zögerlich nahm der Junge das Brot an und nahm einen kleinen Bissen. “Danke“, sagte der Junge zögernd.
“Willst du mitkommen?“, fragte sie. Der Junge nickte. “ Und deine Eltern?” Diesmal nur Kopfschütteln. Dann fing er an, mit leiser Stimme zu reden. “Ich bin allein. Seit Monaten.”
Sie beschlossen, erstmal nicht weiter nachzufragen, öffneten den Laderaum und gestikulierten dem Jungen, dass er einsteigen solle. “Wenn es dir nichts ausmacht, geht unsere Reise zu einem Lager nicht weit von hier. Da sind auch andere Camper, die sich gegenseitig helfen“, sagte er aufmunternd. Der Junge nickte.
Kurz darauf setzte sich der Van wieder in Bewegung. Die Sonne senkte sich langsam über die leeren Felder. Insgeheim freuten sie sich, dass ihre Gruppe gerade gewachsen war. Und dass der Van dies möglich gemacht hatte.







